Das
letzte Schuljahr steht für Merissa, Tink und Nadia bevor. Während
Merissas Zukunft rosig aussieht, sie ist beliebt und ehrgeizig,
schreibt in jedem Fach Bestnoten und hat den Studienplatz schon
sicher, ist Tink dagegen rebellisch, lässt sich weder von Lehrern
noch von Eltern oder Mitschülern etwas sagen. Die schüchterne Nadia
bewundert im Stillen Tinks Selbstbewusstsein. Sie selbst kann sich
gegen Angriffe und Mobbing nicht zur Wehr setzen, vor allem, da sie
sich für viel zu dick hält. Dass alle drei Mädchen mit den
gleichen Ohnmachtsgefühlen kämpfen, hätte niemand gedacht. Ein
Jugendbuch über Familie, Freundschaft und das Erwachsenwerden
zwischen Internetmobbing und Selbstzweifeln. Joyce Carol Oates beleuchtet in ihrem ersten Jugendbuch viele Seiten des Erwachsenwerdens. Suizid, Mobbing, Zukunfts- und Versagensängste, Depressionen, Selbstverletzung und Trennungen der Eltern sind nur einige auftauchende Aspekte.
Diese
werden aber nun mal nicht besonders neutral veranschaulicht, sondern
sehr detailliert beschrieben und von den Protagonistinnen erlebt. Ich
habe zwei Jahre gebraucht, um dieses Buch nach dem ersten Anlauf
wieder in die Hand zu nehmen, da es einige Szenen beinhaltet, die
definitiv als Trigger fungieren können. Sollte man also irgendwelche
Erfahrungen in Richtung Depression, Selbstverletzung oder Suizid
haben, sollte man die Finger davon lassen.
Neben
diesem für manche eventuell negativem Aspekt, schreibt Joyce Carol
Oates unfassbar intensiv, man fühlt sehr mit den Protagonistinnen
mit.
Merissa,
Tink und Nadia könnten unterschiedlicher nicht sein, und trotzdem
haben sie alle mit ihren Dämonen zu kämpfen und zeigen eindrücklich
verschiedene Aspekte des Erwachsenwerdens in unterschiedlichen
Charakteren auf.
Die
Geschichte ist in drei große Teilbereiche aufgeteilt, wodurch jede
der Hauptfiguren zu Wort kommt und ihre eigene Sicht der Dinge und
ihre Erfahrungen durch einen personalen Erzähler schildert. Es gibt
immer wieder Rückblenden, was auf der einen Seite zwar immer etwas
Orientierung fordert und vermeintlich kompliziert wirkt, auf der
anderen Seite aber auch Abwechslung und Spannung einbaut.
Das
Buch war mal etwas anderes, wenn auch in meinen Augen ohne klares
Fazit, bzw. klare Aussage, nur, dass jede und jeder, wie
unterschiedlich man auch ist, mit psychischen Problemen zu kämpfen
hat (– auch wenn mich das Ende sehr verwirrt hat). Die Botschaft,
dass das okay ist, und dass Depression und andere Erkrankungen jeden
treffen können, hat mir aber so ein bisschen gefehlt, besonders,
dass man sich Hilfe holen kann, darf und soll, keine von den Mädchen
lässt sich helfen. Eine Anlaufstelle für betroffene Leser im
Nachwort oder im Buch selber hat gefehlt, da hätte schon was stehen
können.
Also
hier von mir einmal die kostenlose Nummer der Telefonseelsorge:
0800/1110111 – ihr seid nicht allein und es ist völlig okay, sich
Hilfe zu holen.
‚Zwei
oder drei Dinge, die ich dir nicht erzählt habe‘ bekommt von mir
6/10 Punkte, ist aber für psychisch stabile Menschen, die gerne über
das Erwachsenwerden lesen, definitiv eine Empfehlung, denn in dieser
Thematik ist das Buch wirklich gut.
Titel:
Zwei oder drei Dinge, die ich dir nicht erzählt habe
Autor:
Joyce Carol Oates
Verlag:
dtv/Hanser
Preis: 9,95€
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